Praxis für Psychotherapie Bahnhofstr. 27-33 65185 Wiesbaden 0611 - 447 692 02 Wallufer Str. 2 65343  Eltville 06123 - 701 786
Besondere Persönlichkeitsstile Symptome und Erscheinungsformen Traditionell   sprechen   die   Psychiater   bei   bestimmten   Denk-   und   Verhaltensweisen   von "Persönlichkeitsstörungen".    Dieses    Wort    ist    leicht    irreführend,    kann    man    davon logisch   ableiten,   dass   die   "Persönlichkeit"   also   der   ganze   Mensch   durch   und   durch gestört,    verrückt,    daneben    und    so    weiter,        und    letztlich    umfassend    krank    ist. Zunächst   muss   auch   erst   einmal   definiert   werden,   was   denn   eine   Persönlichkeit   ist. Orientierend     kann     man     sagen,     dass     eine     Persönlichkeit     die     Summe     aus verschiedenen   Denk-   und   Handlungsweisen   ist,   die   ein   Menschen   überwiegend   zeigt und    ihn    ausmachen.    Neuere    Erkenntnisse    zeigen,    dass    Persönlichkeitsmerkmale kontinuierlich   verteilt   sind,   dass   heißt,   dass   das   eine   Merkmal   mehr   oder   weniger ausgeprägt   sein   kann.   Es   ist   nicht   so,   dass   ein   Mensch   das   Merkmal   hat   oder   nicht   - also   krank   oder   gesund,   normal   oder   abnormal   ist.   Jedes   Merkmal   ist   somit   normal, weil es eben bei Menschen zu finden ist. Von   einem   "Persönlichkeitsstil"   kann   man   sprechen,   wenn   bestimmte   Merkmale   - Denk-    und    Verhaltensweisen    -        deutlich    mehr    als    beim    Durchschnittsmenschen vorhanden   ist.   Zudem   muss   noch   kommen,   dass   der   Betroffene   diese   Denk-   und Verhaltensweisen     relativ     unflexibel     einsetzt     und     diese     dadurch     oft     und     in verschiedenen   Situationen   zeigt.   Hier   folgt   nun   die   Beschreibung   von   definierten Persönlichkeitsstilen   mit   ihren   typischen   Denk-   und   Verhaltensweisen,   wobei   nicht alle Merkmale vorhanden sein müssen: Ängstlich-vermeidender   Persönlichkeitsstil :   Die   Betroffenen   haben   andauernde und   umfassende   Gefühle   von   Anspannung   und   Besorgnis;   sie   sind   überzeugt   davon, selbst   sozial   unbeholfen,   unattraktiv   und   minderwertig   im   Vergleich   mit   anderen   zu sein;   sie   haben   ausgeprägte   Sorgen   in   sozialen   Situationen   kritisiert   und   abgelehnt zu   werden;   sie   gehen   überwiegend   nur   in   Kontakt   mit   anderen,   wenn   sie   überzeugt sind,   von   den   anderen   gemocht   zu   werden;   sie   vermeiden   privat   und   beruflich Aktivitäten,   die   intensiven   zwischenmenschlichen   Kontakt   bedingen,   aus   Angst   vor Kritik,    Missbilligung    oder    Ablehnung;    sie    können    sich    große    Sorgen    um    ihre Gesundheit machen und sich deshalb einschränken. Abhängiger   Persönlichkeitsstil :   Die   Betroffenen   ermuntern   oder   fordern   andere auf,   die   meisten   wichtigen   Entscheidungen   für   das   eigenen   Leben   für   sie   zu   treffen, sie   fragen   andere   häufig   um   Rat   und   lassen   ihre   Entscheidungen   bestätigen;   sie ordnen   ihre   Bedürfnisse   den   der   anderen,   zu   denen   eine   Abhängigkeit   besteht,   unter, sind   sehr   nachgiebig   und   fordern   kaum   oder   gar   nichts   ein;   sie   haben   unangenehme Gefühle   und   erleben   sich   hilflos,   wenn   sie   alleine   sind   aus   Angst,   dass   sie   nicht alleine   für   sich   sorgen   können;   sie   haben   große   Angst   von   Angehörigen   verlassen   zu werden und auf sich selbst gestellt zu sein. Zwanghafter   Persönlichkeitsstil :   Die   Betroffenen   zweifeln   häufig   und   sind   sehr vorsichtig;   um   gute   Ergebnisse   zu   erzielen   und   keine   Fehler   zu   machen   beschäftigen sie   sich   sehr   mit   Details,   Regeln,   Listen,   Ordnung,   Organisation   und   Planungen,   so dass     dieser     Perfektionismus     auch     hinderlich     sein     kann,     Arbeiten     zeitnah fertigzustellen;     Sie     sind     insgesamt     sehr     gewissenhaft     und     leistungsbezogen, Vergnügen   und   Beziehungen   werden   häufig   vernachlässigt;   soziale   Regeln   werden präzise   und   verlässlich   umgesetzt;   sie   wissen   genau,   was   sie   wollen   und   lassen davon   nur   schwer   ab;   sie   delegieren   wenig   und   bestehen   darauf,   dass   Dinge   so umgesetzt werden, wie sie das richtig finden. Histrionischer   Persönlichkeitsstil :   Die   Betroffenen   stellen   sich   selbst   im   Vergleich mit   anderen   sehr   heraus,   teilweise   mit   spektakulären   Verhaltensweisen,   und   mögen es,   im   Mittelpunkt   zu   stehen;   sie   geben   ihrem   Gefühlen   starken   Ausdruck;   sie   aber auch    leicht    von    anderen    und    durch    bestimmte    Situationen    beeinflussbar;    die Stimmungen    wechseln    stark;    sie    suchen    aufregende    Situationen,    verhalten    sich verführerisch   und   beschäftigen   sich   sehr   mit   ihrer   äußeren   Erscheinung,   um   nach außen attraktiv zu erscheinen. Borderline    Persönlichkeitsstil :    Die    Betroffenen    haben    eine    deutliche    Neigung, unerwartet   und   ohne   Berücksichtigung   der   Konsequenzen   zu   handeln;   sie   haben wechselnde,    instabile    Stimmungen;    Schwierigkeiten    langfristig    vorauszuplanen; heftige   plötzliche   Wutausbrüche   mit   teilweise   gewalttätigen   Handlungen;   sind   sich unsicher   im   Selbstbild   und   ihren   inneren   Vorlieben;   haben   häufig   Gefühle   von   innerer Leere;   Beziehungen   werden   intensiv,   aber   auch   unbeständig   gelebt   mit   wiederholten emotionalen   Krisen;   sie   strengen   sich   übermäßig   an,   nicht   verlassen   zu   werden;   es kommen   selbstverletzende   Handlungen   (Ritzen   und   Schneiden,   mit   Faust   oder   dem Kopf   an   die   Wand   schlagen   und   so   weiter),   Selbstmordgedanken   und   -drohungen   und Selbstmordversuche vor. Narzisstischer   Persönlichkeitsstil :   Die   Betroffenen   sind   sehr   von   sich   überzeugt und   erleben   sich   im   Vergleich   mit   anderen   als   sehr   bedeutend;   sie   setzen   sich   für Erfolg   und   Macht,   aber   auch   für   Schönheit   und   Ideale   ein;   sie   suchen   Kontakt   zu besonderen   Menschen   mit   hohem   Status,   zu   denen   sie   sich   zugehörig   erleben;   sie lieben    es,    von    anderen    bewundert    zu    werden;    sie    erwarten,    dass    andere    sie besonders   gut   behandeln   und   ihre   Erwartungen   erfüllen;   sie   schauen   auf   ihre   Vorteile und   sind   ausgeprägt   zielstrebig;   sie   können   häufig   die   Gefühle   und   Verhaltensweisen anderer   Menschen   nur   schwer   verstehen   und   nachvollziehen;   sie   erleben   sich   von anderen   beneidet   oder   beneiden   andere;   sie   verhalten   sich   so   selbstsicher,   dass andere sie als arrogant  und hochmütig erleben. Paranoider   Persönlichkeitsstil :   Die   Betroffenen   reagieren   sehr   empfindlich   auf Rückschläge   und   Zurücksetzungen;   sie   vergeben   nicht   leicht   und   wenden   sich   von Menschen,   von   denen   sie   sich   beleidigt   oder   missachtet   erleben,   ab;   sie   sind   sehr misstrauisch   und   wachsam,   sie   glauben   leicht,   dass   andere   ihnen   feindlich   gesinnt sind;    sie    scheuen    keine    Streit    und    beharren    auf    ihren    Standpunkt;    in    der Partnerschaft   zweifeln   sie   leicht   an   der   Treue   des   Partners;   sie   beziehen   sich   sehr   auf sich   selbst   und   können   sehr   von   sich   überzeugt   sein;   sie   beschäftigen   sich   sehr   mit den   Möglichkeiten   einer   Schädigung   von   außen   und   sehen   feindliche   Handlungen andere Menschen. Schizotypischer   Persönlichkeitsstil :   Die   Betroffenen   erleben,   dass   sich   andere manchmal   auf   sie   in   besonderer   Weise   beziehen;   sie   haben   Überzeugungen,   die andere      als      seltsam,      esoterisch      und      magisch      einschätzen;      sie      haben außergewöhnliche   Wahrnehmungen;   sie   sprechen   auf   eine   Art,   die   von   anderen   als vage,   umständlich   oder   übergenau   eingeschätzt   wird;   sie   sind   argwöhnisch   und   sehr vorsichtig;   sie   reagieren   in   bestimmten   Situationen   emotional   so,   dass   andere   dies als   unpassend   oder   zu   oberflächlich   erleben;   sie   kleiden   und   verhalten   sich   auffällig und   ungewöhnlich;   sie   beziehen   sich      -   wenn   überhaupt   -   nur   auf   enge   Verwandte und haben kaum bis keine enge Freunde; es können soziale Ängste bestehen. Schizoider   Persönlichkeitsstil :   Die   Betroffenen   haben   nur   an   wenigen   Tätigkeiten echte    Freude;    sie    sind    emotional    distanziert    und    eher    kühl;    sie    sind    sehr zurückhaltend   mit   emotionalen   Äußerungen,   sei   es   nun   Ärger   oder   Zuneigung;   sie scheinen   nach   außen   völlig   unabhängig   von   Lob   und   Kritik;   sie   sind   an      Kontakten mit    anderen    nur    wenig    interessiert    und    bevorzugen    Aktivitäten,    die    sie    alleine durchführen   können,   sie   haben   kaum   bis   keine   Freunde   und   unterhalten   höchstens eine   enge   Beziehung   (Partnerschaft);   sie   beschäftigen   sich   gerne   mit   ihren   Gedanken und Fantasien; sie interessieren sich wenig bis gar nicht für soziale Übereinkünfte. Es   gibt   oft   Mischtypen   mit   unterschiedlich   ausgeprägten   Merkmalen.   Bei   einigen Stilen   kommt   es   sehr   schnell   zu   psychischem   Leid,   bei   anderen   leiden   die   anderen   in der   Umgebung,   was   der   Betroffene   nicht   oder   nur   eingeschränkt   versteht.   Wenn   der Persönlichkeitsstil   nicht   gut   in   die   soziale   Umgebung   passt,   kann   es   zu   sozialen   und emotionalen    Schwierigkeiten    kommen    mit    der    nachfolgenden    Entwicklung    einer psychischen Störung. Behandlung So   genannte   Persönlichkeitsstörungen   galten   lange   Zeit   als   schwer   oder   gar   nicht behandelbar.      Dies      ist      aber      ein      Irrglaube      gewesen.      Die      damaligen Behandlungsmethoden     waren     nicht     geeignet,     hier     etwas     Durchgreifendes     zu verbessern.   Ein   Persönlichkeitsstil   kann   verändert   werden,   ist   aber   wie   fast   jede Veränderung   schwer   und   kann   langwierig   sein.   Häufig   kostet   diese   Veränderung   aber einen   höheren   Preis   als   wenn   "nur"   eine   umschriebene   psychische   Störung   vorliegt. Manche     Stile     sind     mit     den     heute     bewährten     Methoden     bei     vorliegender Veränderungsmotivation    gut    behandelbar,    für    einige    liegen    nun    seit    einiger    Zeit spezielle   Behandlungsmethoden   vor,   die   ihre   Wirksamkeit   nachgewiesen   haben.   Als Beispiel    sei    die    "Dialektisch-behaviorale    Therapie    (DBT)"    nach    Linehan    für    den Borderline-Persönlichkeitsstil genannt. Medikamente   können   phasenweise   helfen   schwierige   Zeiten   zu   überbrücken   oder Therapiefähigkeit   herzustellen,   sollten   aber   langfristig   nach   erfolgreicher   Therapie wieder abgesetzt werden.